Das älteste Kindertheater Deutschlands

Von Gabi Ruf-Sprenger

Im Jahr 1819 hatte der Apotheker Georg Friedrich Stecher (1767 – 1838) angeregt, zum Schützenfest auch ein Theater zu spielen.

Hänsel und Gretel - Schützentheater 2014 (Bild: Michael Kettel)



Mit zwölf evangelischen Schulkindern führte Stecher im Komödienhaus am Osterdienstag, dem 10. April 1819, „Das Vogelschießen“ aus Weissens „Kinderfreund“ auf. Das Motto der Theateraufführungen lautete: „Zur Erhöhung jugendlicher Freuden“. Dem Publikums gefiel’s so gut, dass die Vorstellung am darauffolgenden Sonntag wiederholt wurde. Im nächsten Jahr wurde dann ebenfalls aus Weissens „Kinderfreund“ „Die Feuersbrunst oder Gute Freunde in der Not“ vorgetragen. Auch 1821 fanden am 1. und 8. April Kindervorstellungen statt. Und weil beide Konfessionen damals noch getrennt feierten, produzierten die katholischen Studenten (Schüler der Real- und Lateinschule) im Jahr 1820 am Sonntag vor dem katholischen Schützenfest unter Leitung von Professor Krieg das Schauspiel „Kunz von Kaufungen oder Der sächsische Prinzenraub“. 1821 gaben sie „Die Verschwörung auf Kamtschatka“. Das Schützentheater war geboren und wurde zum festen Bestandteil des Schützenfestes.

 

Gespielt wurde damals noch vor einem verhältnismäßig kleinen Publikum. 100 bis 120 Zuschauer fanden vor einem kleinen Podest in der Schlachtmetzig Platz. Auch gab es noch keine Märcheninszenierungen, wie heute. Vielmehr wurden zwischen den Deklamationen einzelne Szenen dargestellt. Statt einer Bühnenbeleuchtung erhellten Öllampen das Geschehen oder es wurde bei Tage gespielt. Außerdem wurden schon in früheren Zeiten immer wieder Sondervorstellungen zugunsten wohltätiger Zwecke gegeben.

 

Als Biberach im Jahr 1859 beim Obertor sein erstes Theater bekam, ausgestattet mit modernen Gaslampen, einer Bühnentechnik und 430 Sitzplätzen, nutzte auch das Schützentheater die neuen Möglichkeiten. Mit den Jahren wurde es immer beliebter und früh schon kamen Besucher aus ganz Württemberg nach Biberach ins Schützentheater. So tagte 1914 der Württembergische Forsttag in Biberach und besuchte anschließend mit dem gesamten Gremium das Schützentheater. Später, ab 1940, fuhren dann sogar ganze Sonderzüge, die so genannten „Kaffeefahrten“ von Stuttgart und Ulm nach Biberach und brachten die Gäste zum Schützentheater nach Biberach.

 

In diesem Jahr inszenieren Yvonne von Borstel und Hermann Maier „Die kleine Meerjungfrau“. Premiere ist am 27. Juni, 19 Uhr, in der Stadthalle Biberach.