Ali Baba und die 40 Räuber

BIBERACH (grs) – Yvonne von Borstel und Hermann Maier haben für die diesjährige Schützentheatersaison ein Märchen aus 1001 Nacht für das Schützentheater bearbeitet. Die Musik dazu stammt von Andreas Winter.
Am Samstag 26. Juni 19 Uhr ist Premiere.

 „Sesam öffne dich!“ – So heißt die magische Zauberformel, die eine Felshöhle öffnet. Das allein ist wundersam und sonderbar. Doch das, was sich in der Höhle befindet, ist noch viel, viel wunderbarer: Ein Schatz – so riesig und groß, dass selbst Dagobert Ducks Reichtümer im Vergleich dazu armselig sind. Auf diesen Schatz stößt eines Tages Ali Baba, ein armer Holzfäller, der jeden Tag mit seinem Esel Holz sammeln geht. Doch plötzlich wird er von einer wilden Räuberhorde überrascht. Er ist versteckt er sich. Zum Glück, denn es preschen die Besitzer der Felshöhle heran: die 40 Räuber! Ali Baba beobachtet, wie die Räuber mit Hilfe der Zauberformel eine Felshöhle öffnen, Säcke hinein schleppen, die Höhle mit „Sesam schließe dich“ wieder verschließen und davon galoppieren. Wer wäre da nicht neugierig? 

 

Das Schützentheaters ist das älteste Kindertheater Deutschlands

Im Jahr 1819 hatte der Apotheker Georg Friedrich Stecher (1767 – 1838) angeregt, zum Schützenfest auch ein Theater zu spielen.

 

Mit zwölf evangelischen Schulkindern führte Stecher im Komödienhaus am Osterdienstag, dem 10. April 1819, „Das Vogelschießen“  aus Weissens „Kinderfreund“  auf. Das Motto der Theateraufführungen lautete: „Zur Erhöhung jugendlicher Freuden“. Dem Publikums gefiel’s so gut, dass die Vorstellung am darauffolgenden Sonntag wiederholt wurde. Im nächsten Jahr wurde dann ebenfalls aus Weissens „Kinderfreund“ „Die Feuersbrunst oder Gute Freunde in der Not“ vorgetragen. Auch 1821 fanden am 1. und 8. April Kindervorstellungen statt. Und weil beide Konfessionen damals noch getrennt feierten, produzierten die katholischen Studenten (Schüler der Real- und Lateinschule) im Jahr 1820 am Sonntag vor dem katholischen Schützenfest unter Leitung von Professor Krieg das Schauspiel „Kunz von Kaufungen oder Der sächsische Prinzenraub“. 1821 gaben sie „Die Verschwörung auf Kamtschatka“. Das Schützentheater war geboren und wurde zum festen Bestandteil des Schützenfestes. 1869 war auf den Theaterzetteln vermerkt: „Der Überschuss wird zu Theater- und Schützenzwecken verwendet“. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

 

Gespielt wurde damals noch vor einem verhältnismäßig kleinen Publikum. 100 bis 120 Zuschauer fanden vor einem kleinen Podest in der Schlachtmetzig Platz. Auch gab es noch keine Märcheninszenierungen, wie heute. Vielmehr wurden zwischen den Deklamationen einzelne Szenen dargestellt. Statt einer Bühnenbeleuchtung erhellten Öllampen das Geschehen oder es wurde bei Tage gespielt. Außerdem wurden schon in früheren Zeiten immer wieder Sondervorstellungen zugunsten wohltätiger Zwecke gegeben. So haben beispielsweise im Jahr 1875 die Hagelgeschädigten im Oberamt Tettnang 210 Mark erhalten und 1913 das „Rote Kreuz“ 204 Mark. Zuletzt gab es 1983 eine Sondervorstellung des Schützentheaters, deren Erlös an die von dem Flugzeugabsturz in Birkendorf schwer betroffenen Menschen verteilt wurde.

 

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schützentheater regelmäßig mit einem Prolog eröffnet. Dieser wurde von lokalen Dichtern verfasst und von einer Schülerin gesprochen. Den Schluss bildeten lebende Bilder. Als Biberach im Jahr 1859 beim Obertor sein erstes Theater bekam, ausgestattet mit modernen Gaslampen, einer Bühnentechnik und 430 Sitzplätzen, nutzte auch das Schützentheater die neuen Möglichkeiten. So gab es 1862 erstmals ein Schlusstableau, aus dem sich das heutige Schlussbild entwickelte. Bis 1864 waren die zahlreichen Deklamationen von Gedichten der Hauptbestandteil des Schützentheaters. 1862 und 1863 trugen die Schüler der höheren Lehranstalten sogar Stücke in französischer Sprache vor. Seit 1869 werden dramatisierte Märchen aufgeführt.

 

Mit den Jahren wurde das Schützentheater immer beliebter. Waren die Biberacher anfangs noch mit einer oder zwei Vorstellungen zufrieden, musste die Zahl der Aufführungen schon bald erhöht werden. 1896 waren es drei Vorstellungen, 1904 schon vier, 1906 dann sechs und 1921 schon 19 Aufführungen. Und weil selbst diese nicht reichten, um der großen Nachfrage gerecht werden zu können, gab es eine Besonderheit: Auch die Hauptprobe wurde zum ermäßigten Preis fürs Publikum freigegeben.

 

Ins Schützentheater kamen früh schon Besucher aus ganz Württemberg. So tagte 1914 der Württembergische Forsttag in Biberach und besuchte anschließend mit dem gesamten Gremium das Schützentheater. Später, ab 1940, fuhren dann sogar ganze Sonderzüge, die so genannten „Kaffeefahrten“ von Stuttgart und Ulm nach Biberach und brachten die Gäste zum Schützentheater nach Biberach.