„Rund um mich her ist alles Freude ...“

Von Gabi Ruf-Sprenger

Am 15. Juli ist es wieder soweit: Das Biberacher Schützenfest beginnt. Das große Kinder- und Heimatfest, das bis zum 24. Juli in der wunderschönen Altstadt von Biberach gefeiert wird, ist eines der wichtigsten historischen Feste des Landes.

Wann genau das Schützenfest in Biberach erstmals gefeiert wurde, ist nicht bekannt. Es wird angenommen, dass das Fest seine Ursprünge im 15. Jahrhundert hat.

Belegt ist jedoch, dass es im Jahre 1649, also nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, als Friedens-, Schutz- und Dankesfest wieder neu aufgenommen wurde – wie beispielsweise auch das Rutenfest in Ravensburg oder die Kinderzeche in Dinkelsbühl.

Entsprechend der im Westfälischen Frieden festgelegten „Biberacher Parität“ wurde vorerst noch getrennt nach Konfessionen ein evangelisches und ein katholisches Schützenfest gefeiert. Dies blieb rund 150 Jahre lang so. Die älteste urkundliche Nachricht über das evangelische Schützenfest datiert aus dem Jahre 1668. Aufgrund der Koalitionskriege des ausgehenden 18. Jahrhunderts fand jedoch nicht jedes Jahr ein Schützenfest von beiden Konfessionen statt. Auch die terminlichen Absprachen darüber, welche Konfession wann ihr Schützenfest feiert, verliefen nicht immer reibungslos. In manchen Jahren wurde nur ein Schützenfest gefeiert. So wurde 1769 zwar das evangelische, nicht aber das katholische Schützenfest gefeiert. In anderen Jahren, wie etwa 1800, fiel das Schützenfest ganz aus. Denn sowohl im Jahr 1769 wie auch im Jahr 1800 gab es jeweils eine „Schlacht bei Biberach“ zwischen Franzosen und Österreichern – kein Grund zum Feiern.

1802 wurde erstmals der ursprünglich von Christoph Christian Sturm stammende  und von Musikdirektor Justin Heinrich Knecht vertonte Choral „Rund um mich her ist alles Freude“ gesungen. Dieses Schützenfestlied – inzwischen längst die Biberach Hymne – wird während des Schützenfestes mit Hingabe gesungen und hat für jeden Biberacher eine besondere Bedeutung.

Zu den Besonderheiten des Biberacher Schützenfestes gehören außerdem die Ziehung seit 1810 und das Schützentheater seit 1819 – das älteste Kindertheater Deutschlands.

Seit 1825 gibt es ein gemeinsames Schützenfest beider Konfessionen. 1855 wurden der erste Montag und Dienstag im Julie als Festtage festgelegt. Nach und nach wurde das Fest größer. Es entstand ein Vergnügungspark auf dem Gigelberg mit Schaukeln, Kletterbaum, Rutschbahn, der „Schlange“ und einem Karussell. Daraus entwickelten sich die „Volksbelustigungen“ unter dem Motto „Lasst sorgenlos die Kinder spielen, eh' sie den Ernst des Lebens fühlen.“

Während des Ersten Weltkriegs wurde das Schützenfest sechs Jahre lang nicht gefeiert. Auch während des Zweiten Weltkriegs gab es in den Jahren 1940 bis 1945 kein Schützenfest in Biberach.

Heute in der gesamten historischen Altstadt von Biberach neun Tage lang das Biberacher Schützenfest gefeiert.

 

Was – wann – wo

 

Der „Bunte Zug“ am Montag ab 9 Uhr gehört zu den Hauptattraktionen des Schützenfestes. Die dargestellten Themen werden von den Schulen selbst gewählt und wechseln jährlich. Sehr zur Freude der Zuschauer geben sie Lehrer, Schüler und Eltern jedes Jahr die größte Mühe, die gewählten Themen in herrlicher Farbenpracht, witzig, aktuell und dabei dennoch kind- und jugendgerecht zu präsentieren.

 

Beeindruckend sind jedes Jahr aufs Neue auch die beiden Historischen Umzüge am Schützendienstag ab 9 Uhr und nach dem Gottesdienst um 9 Uhr und den Zunfttänzen auf dem Marktplatz an Bauernschützen ab 11 Uhr mit über 200 Pferden sowie im Anschluss daran das Lagerleben auf dem Gigelberg.

Sind die Gruppen erst einmal auf den Gigelberg gezogen, geht es in den einzelnen Lagern hoch her. Im Lager des Baltringer Haufens dreht sich, kaum, dass die Bauern ihren Wagen entladen haben, das Spanferkel am Spieß. Unzählige Ringe Schwarzwürste werden gerädelt und über 100 große rote Rettiche zu Spiralen geschnitten.

Nebenan beim „Schwarzen Veri“ versteigern die Räuber vom Dach ihres Schopfes das während des Umzuges ergaunerte Diebesgut ans Volk, prangern zwischendurch die Lokalprominenz an und tauchen kurz jene Zivilisten, die sich ins Lager gewagt haben, in die mit kaltem Wasser gefüllte „Saumulde“.

Etwas weiter oben liegen die jugendlichen Schweden nach schweren Gefechten ermattet im Gras, während die meist schon etwas gestanderen Kaiserlichen Reiter mit der Schützenwurst in der Hand bei ihren Pferden nach dem Rechten sehen und mit den Besuchern schwätzen.

Eine große Uhr kündigt die nächste Gaukelei an und auf der anderen Seite des Gigelberges bei der Bauerntanzgruppe gehen Most und Kräuterkäs‘-Brote wie g‘schmiert übers Gatter hinweg. Es wird gegessen und getrunken, gespielt, getanzt, gesungen und gestaunt.

Zünftig und hoch her geht es im Festzelt auf dem Gigelberg. Dort werden vom Festzeltwirt ein abwechslungsreiches musikalisches Programm und allerlei Leckerbissen zum feinen Festbier geboten. Bieranstich ist am Freitag, 15. Juli, ab 18 Uhr.

Natürlich ist auch für die Kinder während der gesamten Schützenfestwoche viel geboten. Neben den Fahrgeschäften und den Buden locken täglich die Kinderbelustigungen, die inzwischen „Schützenspiele“ heißen und auf dem „Wiesle“ vor der Stadtbierhalle stattfinden. Mit den „Schützenspielen“ möchte die Stiftung Schützendirektion den Kindern als Alternative zu den Fahrgeschäften ein kostenloses Vergnügen bieten. Auch in diesem Jahr lohnt sich ein Besuch des „Kleinen Schützenjahrmarktes“ am Samstag, 23. Juli, ab 13 Uhr. .

 

Beim „Tanz durch die Jahrhunderte“ am Mittwoch, 20. Juli, Freitag, 22. Juli, und am Samstag, 23. Juli, tanzen ab 20.30 Uhr vor großer Kulisse auf dem historischen Biberacher Marktplatz Bäuerinnen und Bauern, Edelleute, höfische Gesellschaft, bürgerliche Damen und Herren, Charleston-Tänzerinnen und -Tänzer, Boogie-Woogie-Tänzer, Rock'n'Roll-Tänzer und Breakdancer durch die Jahrhunderte.

Überhaupt wird viel und gerne getanzt: beim „Tanz für Jung und Alt“ am Schützensonntag, 17. Juli, ab 18.30 Uhr auf dem Marktplatz und natürlich auch beim Schwarz-Veri-Fest am Donnerstag, 21. Juli, wo der Räuberhauptmann mit seiner Bande im Innenhof des alten Spitals und damit dem ältesten mittelalterlichen Gebäudekomplex der ehemaligen freien Reichsstadt Biberach sein Unwesen treibt und die Geschichte der Schwarz-Veri-Bande in kurzweiligen Szenen nachgespielt wird.

Keinesfalls versäumen sollten Festbesucher das große Feuerwerk am Freitagabend, 22. Juli, ab 22.45 Uhr auf dem Gigelberg.

Informationen und Bilder zu allem was rund ums und während des Schützenfestes geboten ist, gibt es stets aktuell auf der Homepage der Stiftung Schützendirektion unter www.biberacher-schuetzenfest.com