Rund um mich her ist alles Freude

Musik von Justin Heinrich Knecht (*1752 Biberach †1817 Biberach)
Text von Christoph Christian Sturm (*1740 Augsburg †1786 Hamburg)

Biberach hat mit „Rund um mich her“ ein Festlied, das musikalisch und textlich eine Besonderheit darstellt. Es ist nicht nur das Schützenfestlied, das bei allen öffentlichen Anlässen während des Festes erklingt, sondern es ist nach wie vor ein Kirchenlied, das in den evangelischen und katholischen Gottesdiensten als Danklied gesungen wird.

Der im Jahre 1797 von dem Biberacher Justin Heinrich Knecht komponierte Choral erschien erstmals 1799 im neuen „Wirtembergischen Landesgesangbuch“.  In jener Ausgabe war der Melodie noch der Urtext von Christoph Christian Sturm in der Fassung des Gesangbuches von 1791 unterlegt. „Weit um mich her ist nichts als Freude und Anmut und Zufriedenheit.“.  Sturm, der aus Augsburg stammte, veröffentlichte 1775 in Magdeburg den Liedtext in seiner Sammlung „Geistliche Gesänge über die Werke Gottes in der Natur“. Fünf Jahre nach dessen Erscheinen vertonte 1780 der zweite Sohn von Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach, denselben Sturm-Text, den Jahre später auch Knecht für seine Choralkomposition heranzog. Bachs Komposition ist für eine Singstimme mit Klavierbegleitung gesetzt und nicht vergleichbar mit der Biberacher Choralmelodie.

 

Die heute bekannte Textfassung ist erstmals 1802 im „Evangelischen Biberacher Gesangbuch“ abgedruckt. Um die Lieder noch eingängiger zu gestalten, änderte der damalige Prediger Mayer die literarischen Vor-lagen etwas ab.„Rund um mich her“ und andere neue Lieder des Gesangbuches wurden durch die Biberacher Singknaben (Alumnen) und durch das Abblasen vom Gigelturm bekannt gemacht. Die Kraissche Chronik sagt aus, dass 1802 beim evangelischen Schützenfest zum ersten Mal aus dem neuen Biberacher Gesangbuch „Rund um mich her“ gesungen wurde.Justin Heinrich Knecht komponierte neue Choräle, um, wie er betont, den Liedern eine ihrem Inhalt angemessene Melodie zu geben. Dies ist ihm besonders gut bei „Rund um mich her“ gelungen. „Munter und angenehm“ notierte Knecht und gab damit auch Interpretationshinweise, wie das Lied gesungen werden sollte.
Wie der Choral zum Schützenfestlied wurde, liegt im Dunkeln. In den Jahren nach 1800 gab es bei den konfessionsverschiedenen Schützenfesten immer wieder Konflikte, weil sich durch die religionstypische Liedauswahl die andere Konfession provoziert fühlte. Mit der Einführung der gemeinsamen Schützenfeste 1825 schien sich das auch von den Katholiken akzeptierte „Rund um mich her“ allmählich durchzusetzen. 

 

„Rund um mich her“ ist wohl das meistgesungene Lied der Biberacher, oft mit vielen Emotionen und Erinnerungen verbunden. Viele Biberacher und Gäste stimmen dieses Lied immer wieder an und bringen dadurch ihre Freude und Dankbarkeit, aber auch ihre Liebe zur Heimatstadt zum Ausdruck. 

Franz Schlegel